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 GESCHICHTE DER GEMEINDE PREUßEN
Tagebuch 23. Mai 1943 bis 15. Mai 1945
60 Jahre Kriegsende
Pfadfinder
Die Gemeinde von 1975 bis 2005
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Evangelische Kirche Lünen-Süd
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Stiftung Christuschirche
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Geschichte der Gemeinde Preußen
Geschichte der Gemeinde Horstmar
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Die Ausstellung gegen Abschiebung in den Kosovo

2. WELTKRIEG IN LÜNEN

Tagebuch von Wilhelm Mette

3. Chronik über die auf den Raum Lünen-Süd erfolgten Luftangriffe
in der Zeit vom 23. Mai 1943 bis 15. Mai 1945.
Niedergeschrieben und gesammelt für Kinder und Kindeskinder von Wilhelm Mette.

Der 1. Angriff der feindlichen Luftwaffe fand in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 1943 statt. Es wurden viele Spreng-, Brand- und Phosphorbomben geworfen. Trotzdem 7 Spreng-bomben, sowie viele Brand- und Phosphorbomben geworfen wurden, ist außer Dachschäden und zerbrochenen Fensterscheiben kein größerer Schaden entstanden.

Der 2. Angriff feindlicher Bomber fand in unserer Gegend am 11. November 1944 abends 7 Uhr statt. Es wurden fast nur schwere Sprengbomben geworfen. In unserer Gegend, in unmit-telbarer Nähe sind 5 schwere Bomben krepiert, unser Hausdach nächst der Gartenseite war vollständig abgedeckt, etliche Sparren geknickt, 84 Fensterscheiben zertrümmert, Rolladen herausgerissen, bei sämtlichen Türen die Schlosskästen herausgerissen, viele Zimmerdecken eingestürzt, vom Stall die Tür und die Fenster mit Rahmen herausgerissen. Das Bienenhaus hat sich um 30 cm verschoben, etliche Bienenkästen waren von dem Luftdruck offen gerissen. Ein starker Apfelbaum war ein Meter über der Erde im Garten abgerissen und zertrümmert von Sprengstücken.

Der 3. Angriff der feindlichen Luftwaffe fand am Mittwoch dem 29. November 1944 nahm. gegen 3 Uhr statt. Der feindliche Angriff kam über Dortmund-Hörde in der Richtung Lünen-Wethmar. Der Feind warf Spreng-, Brand- und Phosphorbomben in großen Mengen ab. Die Kolonie Altenderne-Oberbecker, Lünen-Süd, Gahmen, Lünen und Wethmar sind sehr mitge-nommen worden. Die Zechen Gneisenau und Viktoria haben mehrere Treffer erhalten. An unserem Hause sind 12 Fensterscheiben zertrümmert. Eisenhütte Westfalia hat große Schäden zu verzeichnen.

Der 4. Angriff der feindlichen Luftwaffe fand am Samstag den 2. Dezember 1944 statt. Gegen Mittag war schon Alarm. Gegen 3 Uhr nachm. wieder Alarm mit Bombenabwürfen. Gegen 8 Uhr abends wieder Alarm mit Bombenregen. Gegen 12 Uhr und 1 Uhr nachts nochmals A-larm. Wir konnten erst gegen 2 Uhr zu Bett gehen. Mehrere Tote. In der Waldfreiheit haben etliche Häuser Volltreffer erhalten.

Am Sonntag den 3. Dezember 1944 war gegen 8 Uhr vorm. schon Alarm, dann den ganzen Tag ohne Bombenabwurf in unserer Nähe.

Am 4. Dezember den ganzen Tag Alarm.

Am 5. Dezember wiederum den ganzen Tag Alarm.

Am 6. Dezember wiederum den ganzen Tag Alarm. Die Städte Soest und Hamm wurden an-gegriffen. Gegen 10 Uhr 30 Uhr wurde entwarnt.

Am 7. Dezember nur gegen Abend Alarm. Etliche feindliche Flugzeuge überflogen unsere Gegend, kein Bombenabwurf.

Am 8. Dezember Alarm. Nachmittags wurden gegen 3 Uhr feindliche Flieger von unseren Jagdflugzeugen angegriffen und beschossen.

Am 9. Dezember war es den ganzen Tag ruhig. Abends gegen 7 ½ Uhr bis 8 ½ Uhr Alarm, nur Störflugzeuge. Um 9 bis 10 Uhr Alarm, kein Bombenabwurf.

Am Sonntag, den 10. Dezember den ganzen Tag Alarm, kein Bombenabwurf.

Am Montag den 11. Dezember von 9 ½ bis 3 Uhr Alarm, rege Feindtätigkeit. Von 6 ¼ Uhr bis 7 ½ Uhr Alarm, mehrere Feindflugzeuge überflogen unsere Gegend. Kein Bombenabwurf.

Am Dienstag den 12. Dezember vorm. Alarm bis gegen Mittag. Gegen ½ 2 Uhr bis ½ 3 Uhr akuter Alarm mit Bombenabwurf. Es wurden Bomben in der Gemeinde Brechten, Brambauer und Lünen geworfen. Der Luftdruck der abgeworfenen Bomben war stark, Türen und Fenster rappelten. Schaden ist nicht entstanden. Gegen 6 ½ bis 8 ½ Uhr abends Alarm. Es flogen me-here feindliche Verbände ein mit Ostkurs.

Am Mittwoch den 13. Dezember tagsüber wenig Alarm.

Am Donnerstag den 14. Dezember bei Tag und Nacht kein Alarm.

Am Freitag den 15. Dezember den ganzen Tag Alarm, abends gegen 6 ½ Uhr akuter Alarm. Feindflugzeuge im ganzen Industriegebiet.

Vom 16. bis 31. Dezember weniger Alarm und keine Bombenangriffe.

Am 1. Januar 1945 den ganzen Tag Alarm. Viele feindliche Geschwader sind eingeflogen. Abends Angriff auf Eving, Huckarde und Dortmund. Zeche Minister Stein schwer getroffen. Ein Bunker in Eving getroffen, 40 Tote.

Am 2. Januar 1945 den ganzen Tag Alarm. Abends feindliche Jagdflieger. 6 Bomben abgeworfen.

Am 3. Januar fliegen starke Verbände ein. Gegen Mittag Abwurf von mehreren Bomben. Abends gegen 7 und 8 Uhr Einflug feindlicher Bomber, zirka 200 Maschinen. Es wurden Bom-ben geworfen auf Mengede, Eving und Dortmund. Die Städtischen Krankenanstalten in Dortmund (Luisenhospital) wurde von 3 Bomben getroffen, Zeche Hansa schwer beschädigt. Der Luftdruck war hier sehr stark. Wir lagen im Keller auf der Erde. Die Fenster und Türen rasselten. Es fielen viele schwere Bomben.
Am 4. Januar 1945 tagsüber wenig Alarm, keine Bombenabwürfe. Abends Einflüge feindli-cher Bomber nach Berlin.

Am 5. und 6. Januar tagsüber viel Alarm, keine Bombenabwürfe. Von 6 ½ bis 8 Uhr abends waren Hedwig und ich im Keller, dann im Bunker.

Am Sonntag den 7. Januar. Gegen 11 ½ Uhr vorm. flogen viele Verbände ein. Entwarnung 12 ½ Uhr, keine Bombenabwürfe. Von ½ 8 bis 8 Uhr abends Alarm. Der Feind flog über Siegen mit starken Kräften ein und nahm Südostkurs. Von 10 bis 11 abends Fliegeralarm. Einflug mehrerer Kampfverbände nach Hannover.
Montag den 8. Januar. Vorm. 10 ½ Uhr Alarm bis 12 Uhr. Feindeinflug Siegen-Hilgenbach. In der Nacht kein Alarm.

Dienstag den 9. Januar bei Tag und Nacht kein Alarm.

Mittwoch den 10. Januar vorm. und nachm. und am Abend kein Alarm. Spätabends Alarm, wir waren im Bunker.

Donnerstag den 11. 1. von 3 bis 4 Uhr Alarm. Keine Bombenabwürfe.

Dienstag den 16. Januar um 9 ½ Uhr vorm. Alarm. Einflüge feindlicher Bomber über Mep-pen, Hannover, sowie feindliche Jäger über Arnheim. Wir waren im Bunker. Entwarnung gegen 12 Uhr mittags. Gegen 1 Uhr mittags wieder Alarm bis kurz vor 5 Uhr nachm. Abends 8 Uhr Alarm. Wir waren bis 10 Uhr im Bunker. In der Nacht 2 Uhr 15 Angriff auf Bochum, Wanne-Eickel und Hattingen. Entwarnung 3 Uhr.

Mittwoch den 17. Januar von 11 bis 1 ½ Uhr Alarm. Wir waren im Bunker. Alarm von 4 bis 5 Uhr und von 7 bis 8 ½ Uhr. Wir waren im Bunker. Kein Bombenabwurf.

Donnerstag den 18. Januar den ganzen Tag kein Alarm. Abends von 9 bis 9 ¾ Uhr Alarm, kein Bombenabwurf. Nachts Alarm von 12 ½ bis 1 ½ Uhr, kurz nachdem akuter Alarm. Es flogen mehrere Bomberverbände ein bis Brilon, Warstein.

Freitags den 19. Januar vor- und nachm. Alarm. Im Bunker von 7 bis 8 ½ Uhr.

Samstag den 20. Januar von 10 bis 12 ¼ Uhr Alarm. Waren im Bunker. Nachmittags Alarm.

Sonntag 21. Januar 9 ½ vorm. Alarm. Feindliche Jagdflugzeuge im Raum von Düsseldorf. Anflug feindlicher Bomberverbände im Raum Brüssel. Von 8 bis 8 ½ Uhr abends Vollalarm. 10 Uhr Vollalarm bis 10 ½ Uhr. Nachts 3 Uhr wieder Alarm, Nachtjäger. Entwarnung 3 ½ Uhr nachts.

Montag den 22. Januar von 9 ½ bis 10 ½ Uhr Alarm, wir waren im Bunker. Von 1 bis 2 ½ Uhr Alarm, wir waren im Bunker. Starke Verbände flogen ein. Kein Bombenabwurf, wir wa-ren im Bunker. Von 7 bis 9 ½ Uhr Vollalarm, Aufenthalt im Bunker. Kein Abwurf von Bom-ben. Von 10 ¼ bis 11 ½ Uhr Vollalarm. Auf dem Wege zum Bunker wurde schon heftig ge-schossen. Man hörte in der Ferne das Krachen der Bomben. Angriff galt Gelsenkirchen, Wanne-Eickel, Recklinghausen.

Dienstag den 23. Januar vorm. 8 Uhr 40 Alarm bis 11 Uhr 45. Feindliche Jagdbomber im Raume Bocholt, Münster, Geldern. Um 11 Uhr Einflug mehrerer Kampfverbände. Vollalarm, wir waren von 11 bis 12 Uhr im Bunker. 2 ½ Uhr fortgesetzter Alarm mit Vorentwarnung. Nachts Ruhe.

Mittwoch den 24. Januar 8 Uhr 45 vorm. Alarm bis 1 ½ Uhr. 2 Uhr Voralarm, Entwarnung 3 ½ Uhr. Kein Bombenabwurf. Nachts wieder Ruhe.

Donnerstag den 25. Januar vor- und nachm. kurzer Alarm. Abends 9 Uhr 15 kurzer Alarm.

Freitag den 26. Januar von 9 bis 9 ½ Uhr kurzer Alarm, 10 ½ Uhr erneut Alarm. Verband fliegt Dülmen und Haltern an. 12 Uhr 15 Entwarnung. 1 ½ Uhr bis 2 Uhr 15 Alarm. Es ist 10 Grad Kälte und der Schnee liegt 20 cm hoch. Von 7 Uhr abends bis 7 Uhr 45 Alarm. Es wur-den mehrere Bomben geworfen. Das elektrische Licht versagte, Türen und Fenster rappelten. Hauptsächlich wurde Castrop-Rauxel und Herne getroffen.

Samstag, den 27. Januar Schneefall 20 cm hoch, 3 Grad Kälte. Auf dem Hausboden zum drit-ten Male Schnee geschippt, jedes Mal zirka eine Pferdekarre voll. Nachm. Alarm, kein Ab-wurf. Abends von 7 bis 9 Uhr Alarm, kein Bombenabwurf.

Sonntag den 28. Januar 20 cm Neuschnee bei 4 Grad Kälte, Schnee vom Hausboden ge-schippt. 10 ½ Uhr Alarm, kleiner Jagdverband bei Coesfeld eingeflogen im Südkurs nach Haltern. Im Kreise Venlo kreisen viele Jäger und Jagdbomber. 11 ½ Uhr Vollalarm bis 1 ½ Uhr. Es flogen schwere Verbände ein. Auch unsere Gegend wurde von feindlichen Bombern heimgesucht. Am Kanal in Gahmen bei Schreiner Siemann wurde mit Bombenabwurf begonnen. Das Haus Siemann vernichtet, ein Volltreffer auf der Kanalbrücke. Die Breite der Ab-würfe ging von der Karlstraße bis bei uns. Wesselmann Volltreffer in die Scheune, auf der Straße und im Walde. Es entstanden 60 Krater, kein Wasser, kein Licht, wir waren im Bun-ker. Wesselmanns Haus schwer beschädigt. Von 2 ½ Uhr bis 3 Uhr wieder Alarm, wieder im Bunker. 35 Fensterscheiben am Hause zertrümmert. Die Eisenbahn zum Hafen mehrere Volltreffer. Die Unterführung an der Bahnstraße Volltreffer. Ein Volltreffer uns gegenüber auf dem Bunker von Westermanns. Ein Volltreffer Fischers gegenüber am Walde. Da des Nachts viel Alarm ist, wird in Kleidern geschlafen, in der Wohnung ohne Fensterscheiben.

Montag den 29. Januar. 11 Uhr Vollalarm bis 1 ½ Uhr, von 2 bis 3 Uhr Alarm. Wir waren zweimal im Bunker. ½ 4 Uhr Voralarm, ½ 6 Uhr Entwarnung. Der Hauptangriff richtete sich gegen Wethmar, Werne, Kamen, Hamm und Ascheberg-Capelle. Abends 6 ½ Voralarm, 7 Uhr Entwarnung, kein Abwurf.

Dienstag den 30. Januar. Von 9 ½ bis 10 ½ Uhr vorm. Vollalarm, Flucht in den Bunker.

Mittwoch, den 31. Januar. Vorm. Vollalarm, wieder im Bunker, kein Abwurf. Abends gegen 10 Uhr Alarm, kurz darauf Entwarnung.
Donnerstag den 1. Februar 1945. Vormittags gegen 5 ½ Uhr Alarm. 2 feindliche Flieger wer-fen Bomben. 6 ½ Uhr Entwarnung. 11 Uhr Alarm bis 12 Uhr mittags. Wieder im Bunker, kein Abwurf. Um 2 Uhr nachm. Alarm, kurz darauf Entwarnung. 2 ½ Uhr Voralarm, 5 ½ Uhr Entwarnung. Wieder im Bunker. Von 7 bis 9 Uhr Vollalarm, wieder im Bunker. Von 9 ½ bis 10 ½ Uhr Vollalarm.

Freitag, den 2. Februar. Vorm. bis Mittags Alarm. Kein Bombenabwurf. Nachm. Alarm. Nachts von 11 bis 12 Uhr Vollalarm. Schwere feindliche Verbände flogen ein. In der weiteren Umgebung wurden viele Bomben geworfen, etwa Bochum, Castrop-Rauxel.

Samstag den 3. Februar. Vormittags flogen viele Verbände ein in Richtung Osnabrück - Berlin. Tagsüber dauernd Alarm. Entwarnung um 5 ½ Uhr nachm. Abends von 7 - 8 Uhr Alarm. Starke Verbände flogen ein. 1 Stunde im Bunker.

Sonntag den 4. Februar. Vormittags Ruhe. Nachmittags 3 ½ Uhr Alarm wegen Jagdflieger. Abends von 8 bis 12 Uhr Alarm, wieder Jagdflieger werfen einzelne Bomben.
Montag den 5. Februar. Vor- und nachm. kurzer Alarm. Nachts Ruhe.

Dienstag, den 6. Februar. Von 10 Uhr früh bis 2 Uhr nachm. Vollalarm. Viele feindliche Ver-bände flogen in östlicher Richtung. Während der Zeit im Bunker. Nachts Ruhe.

Mittwoch, den 7. Februar. Vorm. kurzer Alarm. Von 3 - 4 Uhr Vollalarm. Es flogen viele feindliche Verbände ein. Kein Bombenabwurf. Abends von 8 - 11 Uhr Vollalarm. Wieder Einflug starker Verbände. Dann von 11 ½ - 12 ½ Uhr nachts Vollalarm. Weitere starke Ver-bände im Anflug. Kein Abwurf, Aufenthalt im Keller.

Donnerstag den 8. Februar. Von 9 Uhr vorm. bis 4 Uhr nachm. Alarm. Kein Abwurf. Von 10 - 11 Uhr abends Vollalarm. Wieder im Bunker.

Freitag, den 9. Februar. Von 6 bis 7 Uhr Alarm wegen Anflug starker Verbände. Castrop-Rauxel, Wanne-Eickel wurden angegriffen. Wieder im Bunker. Von 10 Uhr 45 bis 3 Uhr A-larm, von 1 ½ bis 3 Uhr im Bunker. Nachm. wurden bombardiert Henrichenburg, Datteln und Lüdinghausen. 4 Uhr nachm. Vollalarm bis 7 Uhr.

Samstag den 10. Februar. Nachm. von 1 - 5 Uhr Vollalarm. Mehrere Verbände flogen ein. In der Umgegend wurden Bomben geworfen. Wir waren im Bunker. Wieder Vollalarm von 11 bis 12 ½ Uhr nachts. Wieder im Bunker.

Sonntag den 11. Februar. 2 Uhr nachts Alarm. Feindlicher Kampfverband über Düsseldorf. Hamm wird von etlichen Verbänden überflogen. Recklinghausen und Haltern wird überflo-gen. Kamen und Lünen werden überflogen mit Westkurs (2 Nachtjäger). Entwarnung 3 Uhr 45. 8 ½ Uhr vorm. bis 11 ½ Uhr Vollalarm. Keine Bombenwürfe. Von 2 bis 3 Uhr nachm. Alarm. Dann und die Nacht kein Alarm.

Montag den 12. Februar. Am Tag kein Alarm. Abends von 7 Uhr 15 bis 9 ½ Uhr Vollalarm. Es flogen viele Verbände ein. Kein Bombenwurf. 12 ½ Uhr nachts Alarm. 2 Uhr nachts Ent-warnung.

Dienstag, den 13. Februar. 8 ½ Uhr vorm. Alarm. Etliche feindliche Jagdflugzeuge in Hamm, Beckum, Ahlen. Vollalarm bis 12 Uhr 45 mittags. Wieder im Bunker. Nachm. bis 4 ½ Uhr fortgesetzt Alarm. Feindliche Jäger überflogen die Gegend. Von 8 Uhr bis 10 ½ Uhr abends Vollalarm. Rückflüge aus Mitteldeutschland. Entwarnung 11 ½ Uhr nachts.

Mittwoch den 14. Februar. 12 ½ Uhr nachts Alarm. Starker feindlicher Kampfverband fliegt bei Bonn ein. In Dülmen, Haltern etliche feindliche Flugzeuge mit wechselndem Kurs. Dort-mund, Herne, Castrop-Rauxel von feindlichen Flugzeugen überflogen. Entwarnung 1 Uhr 45 nachts. 2 Uhr 45 wieder Alarm. 3 Uhr früh Entwarnung. Wieder Alarm 3 Uhr 45, Entwarnung 4 Uhr 10. 7 Uhr 45 vorm. Alarm bis nachm. 5 Uhr, dann Entwarnung. von 7 Uhr 15 abends bis 10 ½ Uhr Vollalarm. Es flogen starke feindliche Verbände ein. Richtung Braunschweig und Thüringen. Von 11 Uhr 45 bis 12 ½ Uhr Vollalarm.

Donnerstag den 15. Februar. Von 9 ½ Uhr vorm. bis 12 ½ Uhr Vollalarm. Waren im Bunker von 9 ½ bis 11 Uhr. Von 1 ½ Uhr bis 3 Uhr wieder im Bunker wegen Vollalarm.
Freitag den 16. Februar. Bis Mittag Nebel, kein Alarm. Von 12 ½ bis 4 Uhr 45 Vollalarm. Eine Menge feindlicher Verbände flog ein. Es wurden im weiteren Umkreis die Städte Dort-mund, Castrop-Rauxel, Kamen, Hamm bombardiert. Wir waren zweimal im Bunker. Es wur-den bombardiert Hoesch, Minister Stein, Phönix.

Samstag den 17. Februar. 11 ½ Uhr kurzer Alarm, Kampfverband flog nach Süddeutschland. Von 2 Uhr 45 bis 3 Uhr 45 Alarm. Kampfverband flog in das Industriegebiet. Hier kein Bom-benabwurf. Waren im Bunker. Von 7 Uhr 45 wieder im Bunker wegen Vollalarm. 9 Uhr Ent-warnung. Kein Bombenabwurf. Nachts kein Alarm.

Sonntag den 18. Februar. Vormittags Ruhe. Um 3 Uhr Vollalarm bis 4 Uhr. Wieder im Bun-ker. Von 7 bis 9 Uhr wegen Alarm wieder im Bunker. Keine Bomben.

Montag den 19. Februar. Von 1 bis 3 ½ Uhr Vollalarm. Viele feindlicher Verbände flogen ein. Besonders schwer wurde das Münsterland mitgenommen. Man konnte im Bunker die Erschütterungen wahrnehmen. Von 4 bis 5 Uhr Vollalarm und wieder im Bunker. Von 7 - 9 Uhr wiederum im Bunker wegen Vollalarm. Bombardiert wurden Hoesch und Minister Stein.

Dienstag den 20. Februar. Um 2 Uhr 45 nachts Vollalarm. Starke Bomberverbände flogen in das Siegerland ein. Einzelne Flugzeuge mit Ostkurs. Einzelne Flugzeuge flogen Hamm, Werl, Soest, Lippstadt an. Arnsberg wird mit Ostkurs überflogen. Einzelne Flugzeuge fliegen Lünen und Hamm an. 4 Uhr früh Entwarnung. 5 Uhr früh wieder Alarm. Rückflüge aus West-deutschland. Etliche Feindflugzeuge nähern sich Dortmund mit Nordwestkurs. Feindverband auf dem Rückflug Lippstadt - Hamm. Entwarnung ½ 6 Uhr. 11 Uhr 15 Vollalarm. Starke Verbände flogen ins Siegerland ein. Entwarnung 12 Uhr 15 mittags. 6 Uhr 45 abends Alarm. 9 Uhr 15 Entwarnung. Wir waren im Bunker.

Mittwoch den 21. Februar. Von 1 ½ bis 2 ½ Uhr Alarm. In weiterer Umgegend wurden viele Bomben geworfen. Wir waren im Bunker. Von ½ 3 bis 6 Uhr Vollalarm. Schwere Feindver-bände greifen Hamm und das Münsterland an. Wir waren im Bunker. Von ½ 8 bis ½ 10 Uhr Vollalarm. Bombenabwurf im Münsterland, wir waren im Bunker.

Donnerstag, den 22. Februar. Nachts von 1 bis 1 ½ Uhr Vollalarm wegen Rückflüge aus Westdeutschland. 9 ½ Uhr vorm. Vollalarm. Starke Verbände fliegen ein mit Ostkurs. Zu-flucht im Keller. Rückflüge setzen gegen 12 Uhr mittags ein. Wieder im Bunker bis 1 Uhr. Kurz darauf Vollalarm bis 4 ½ Uhr nachm. Es flogen mehrere Verbände ein. Flucht in den Bunker. Entwarnung 6 Uhr nachm. Von 7 bis 9 ½ Uhr Vollalarm.

Freitag, den 23. Februar. 10 Uhr bis 10 Uhr 45 Vollalarm. Große Verbände mit Ostkurs flogen ein. 12 Uhr 45 Vollalarm. Die Verbände kamen zurück und überflogen unsere Gegend. Entwarnung um 1 ½ Uhr. 3 Uhr nachm. Vollalarm. Bombenabwürfe auf Castrop-Rauxel, Brambauer und Dortmund. Zuflucht im Bunker. 6 Uhr Entwarnung. Wieder Vollalarm von 7 ½ Uhr bis 8 ½ Uhr abends. Wieder im Bunker. Von 9 Uhr 45 bis 10 Uhr 15 Vollalarm.

Samstag den 24. Februar. Von vorm. 9 ½ Uhr den ganzen Tag über Vollalarm mit kurzen Unterbrechungen. Nachm. zwischen 5 und 6 Uhr flogen mehrere Bomberverbände ein. Es wurden viele Bomben in unmittelbarer Nähe geworfen. 3 Bomben auf Haumanns Land, neben der Schule, darunter ein schwerer Blindgänger. Das Haus Bluhm erhält Volltreffer, Chaluppa schwer beschädigt, nicht bewohnbar. Das Haus Kwaschny und Gebauer Volltreffer. 5 Men-schen liegen darunter begraben. Im ganzen 14 Tote in unserer Kirchengemeinde. Zwischen den beiden Schulen in der Bahnstraße liegen 6 Krater dicht an der Straße. Unser Haus ist noch mal stehen geblieben. Außer 22 zertrümmerten Fensterscheiben kein Schade, wir waren im Bunker. Dieser Bunker hat mehrere Treffer erhalten, konnten jedoch keinen großen Schaden anrichten.

Sonntag, den 25. Februar. Von 8 ½ Uhr vorm. fortgesetzt Alarm. 12 Uhr mittags Entwarnung. 12 ½ Uhr bis 1 Uhr Vollalarm. Von 7 ½ Uhr bis 10 Uhr abends Vollalarm.

Montags, den 26. Februar. Vorm. kurzer Alarm. Nachm. 2 bis 3 Uhr Vollalarm. Es wurden mehrere Bomben geworfen. Autobahn, Karlstraße 2 Häuser zertrümmert, auch Bäcker Ki-kuth. Gegenüber unserem Haus im Walde mehrere Bomben geworfen, wodurch viele Fenster-scheiben zertrümmert wurden. Wir waren natürlich im Bunker. Von 7 bis 10 Uhr wegen Vollalarm wieder im Bunker.

Dienstag, den 27. Februar. Von 10 ½ bis 12 ½ Uhr vorm. Vollalarm, wieder von 1 bis 4 ½ Uhr Vollalarm. Wir waren zweimal im Bunker.

Mittwoch den 28. Februar. Von 10 bis 12 Uhr Vollalarm, wieder von 1 bis 4 ½ Uhr nachm. Vollalarm. Wieder zweimal im Bunker. In der weiteren Umgegend wurden Bomben gewor-fen.

Donnerstag, den 1. März 1945. Vorm. 9 - 10 ½ Uhr Vollalarm, feindliche Jagdflugzeuge ü-berfliegen die Gegend. Von 2 ½ - 3 ½ Uhr Vollalarm, feindliche Verbände fliegen in das Ruhrgebiet ein. Hier kein Bombenwurf.

Freitag, den 2. März. Vorm. von 9 ½ bis 10 ½ Uhr Vollalarm. Zuflucht im Bunker, wieder von 12 bis 1 Uhr Vollalarm und im Bunker. Kein Bombenabwurf. Von 4 bis 5 Uhr Vollalarm. Wieder im Bunker. Von 7 ½ Uhr bis 8 ½ Uhr abends Vollalarm, wieder im Bunker. Von 8 ½ Uhr bis zur Entwarnung um 10 Uhr Vollalarm.

Samstag den 3. März. 7 Uhr 15 Alarm, kurz darauf Vollalarm. Im Bahnhof Lünen-Süd wurde ein Eisenbahnzug mit Bordwaffen beschossen. Von 10 ½ Uhr vorm. ab Rückflüge nach dem Westen. 1 Uhr Entwarnung. Von 3 ½ bis 5 ½ Uhr nachm. Vollalarm. Zuflucht im Bunker. Von 7 ½ Uhr bis 11 Uhr Vollalarm. Mehrere feindliche Verbände sind eingeflogen, viele Bomben sind in unserer nächsten Nähe abgeworfen. Die Wagnerstr. schwer getroffen, auch die Straße nach Willi Pohl. In den umliegenden Feldern liegen viele Krater. Am Bahnhof Derne haben Küper, Sarstadt, Hill u.a. Volltreffer erhalten.

Sonntag, den 4. März. Von 12 bis 1 Uhr 15 mittags Vollalarm. Es wurden Bomben auf Bram-bauer und Mengede geworfen, wir waren im Bunker. Von 8 Uhr 15 bis 9 Uhr 15 Vor- und Vollalarm. Wieder im Bunker, kein Bombenwurf. Von 11 ½ bis 12 ½ Uhr Vollalarm.

Montag den 5. März. Von 7 Uhr 15 bis 9 Uhr 15 Vor- und Vollalarm. Zuflucht im Bunker, keine Bomben. 12 Uhr Rückflüge mehrerer Verbände. Vollalarm gegen 2 ½ bis 3 Uhr, Lauf zum Bunker. Von 5 bis 6 Uhr 15 wieder im Bunker wegen Vollalarm. Keine Bomben fallen. Von 7 ½ - 11 Uhr 15 abends Vollalarm, wieder im Bunker. 2 Bomben sind in Gahmen gefallen.
Dienstag, den 6. März. Von 11 ½ bis 12 ½ Uhr Vollalarm. Starke Verbände flogen bei Wesel ein. Auf Hamm Bombenabwurf, wieder im Bunker. Wieder Vollalarm von 3 - 5 Uhr und von 7 ½ - 10 Uhr, beide Male im Bunker. Kein Bombenabwurf.

Mittwoch den 7. März. Von 5 bis 6 Uhr Vollalarm. Aufenthalt im Bunker, kein Bombenab-wurf. Von 10 ½ Uhr - 1 Uhr 15 Vollalarm. Während wir im Bunker waren Bombenwurf auf Datteln, Brambauer, Mengede. Zuflucht im Bunker. Von 2 bis 4 ½ Uhr Vollalarm. Im Müns-terland wurden viele Bomben geworfen. Wieder im Bunker. Von 7 Uhr 45 bis 10 Uhr Voll-alarm, wieder im Bunker. In nächster Nähe kein Bombenabwurf. 10 Uhr 45 Alarm. Rückflüge aus dem Reich und Jagdflugzeuge. Abflug nach Westen. In Dortmund 10 Uhr 45 Entwarnung.

Donnerstag den 8. März. Bis mittags kein Alarm. 1 Uhr mittags Vollalarm. Es flogen mehrere Bomberverbände ein. Auf Stadt Lünen, Bahnhof Lünen-Süd, Spar- und Bauverein, Kupfer-werk wurden Bomben geworfen. Wir waren bis 4 Uhr im Bunker. Noch keine Entwarnung. Endlich 5 Uhr 15 Uhr Entwarnung. Von 7 ½ Uhr bis 10 Uhr 45 Vollalarm. Es wurden viele Bomben in der weiteren Umgegend geworfen. Wir waren im Bunker.

Freitag, den 9. März. Von 9 - 11 Uhr Vollalarm. Viele Bomben in weiterer Umgegend gefal-len. Von 1 - 3 Uhr Vollalarm. Wir waren bis 3 Uhr im Bunker. Kurz nach 3 Uhr wieder Voll-alarm und wieder im Bunker. Bis 6 Uhr 15 fortgesetzt Vollalarm. Von 7 ½ Uhr bis 10 Uhr Vollalarm. Es flogen viele Verbände ein, wieder im Bunker.

Samstag, den 10. März. Von ½ 11 bis 11 ½ Uhr Vollalarm, wieder im Bunker. Keine Bomben gefallen. Von 12 bis 5 Uhr nachm. Vollalarm, 15 feindl. Verbände flogen in Richtung Dül-men - Dortmund. Vereinzelte Bomben fallen hier. Wir waren im Bunker. Von 7 ½ Uhr bis 10 Uhr 15 wieder Vollalarm, wieder im Bunker. Der Feind warf viele Bomben in der weiteren Umgegend. Viele Bauernhäuser sind abgebrannt. Dortmund erneut mit Bomben angegriffen.

Sonntag den 11. März. Von 11 bis 12 ½ Uhr mittags Vollalarm. Wir waren im Bunker. Kein Bombenabwurf. Von 2 ½ bis 4 ½ Uhr Vollalarm. Waren wieder im Bunker. Witten wurde angegriffen. Kurzer Vollalarm um 5 ½ Uhr. Von 7 ½ Uhr bis 10 Uhr Vollalarm, kein Bom-benabwurf. Waren im Bunker.

Montag den 12. März. Von 12 bis 1 Uhr Vollalarm. Wir waren im Bunker. Von 3 ½ Uhr bis 6 Uhr Vollalarm, wieder im Bunker. Der feindliche Einflug dauert 1 Stunde an. Es müssen mehrere tausend Flugzeuge in Richtung Dülmen - Dortmund eingeflogen sein. Dortmund wurde schwer angegriffen. Von 8 - 10 Uhr Vollalarm, wir waren im Bunker.

Dienstag den 13. März. Ab 10 Uhr Alarm, um 11 ½ Uhr Vollalarm bis 1 Uhr mittags. Im Münsterland wurden Bomben geworfen. Von 1 ½ Uhr bis 2 ½ Uhr Vollalarm, wir waren im Bunker. Bomben wurden in der weiteren Umgegend in Massen geworfen. Der Gasometer der Zeche Gneisenau wurde getroffen. Desgleichen dort auch der Bunker, 24 Menschen sind erstickt.

Mittwoch den 14. März. Von 10 ½ - 5 ½ Uhr nachm. Vollalarm. Aufenthalt im Bunker. Bom-ben wurden nicht geworfen. Von 8 ½ - 10 Uhr Vollalarm, kein Bombenwurf. Wir waren im Bunker.

Donnerstag, den 15. März. Von 10 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends Vollalarm. Wir waren in der Zeit mehreremale im Bunker. Im weiteren Umkreis wurden Bombenteppiche geworfen. Be-sonders in Castrop-Rauxel, Unna, Recklinghausen. Von 8 Uhr 15 bis 11 Uhr abends Voll-alarm. Flucht in den Bunker. Kein Bombenabwurf. Dortmund wird von der Zivilbevölkerung geräumt.

Freitag, den 16 März. Von 10 - 12 Uhr mittags Vollalarm. Waren im Bunker. Von 1 - 3 Uhr Vollalarm, waren im Bunker. Von 7 ½ - 10 Uhr abends Vollalarm, waren im Bunker. Kein Bombenabwurf.

Samstag, den 17. März. Um 10 ½ Uhr vorm. Vollalarm, etliche Kampfverbände flogen ein. Um 12 Uhr Entwarnung. Von 3 - 5 Uhr nachm. Vollalarm. Es wurden mit Bomben beworfen: Zeche Scharnhorst, Gneisenau und Achenbach Eisenkonstruktion. Besonders wurde Derne schwer getroffen. Wieder Vollalarm von 8 - 11 Uhr abends. Wir waren im Bunker. Hollinde in Derne Volltreffer im Kuhstall, Krankenhaus in Derne Volltreffer. In Hostedde Bauer Wienke Bunker Volltreffer, 42 Tote. Um Zeche Gneisenau fast jedes Haus beschädigt oder Volltreffer.

Sonntag den 18. März. Von 10 bis 11 Uhr Vollalarm, waren im Bunker. Von 3 - 6 ½ Uhr nachm. Vollalarm. Einige Tiefflieger schossen mit Bordwaffen. Wir waren im Bunker. Kein Bombenabwurf. Von 8 - 10 Uhr abends Vollalarm. Mehrere feindl. Verbände flogen nach Berlin. Wir waren im Bunker.

Montag den 19. März. Von 4 - 5 Uhr früh Vollalarm. Feindl. Kampfverbände flogen in östli-cher Richtung. Waren im Bunker. Den ganzen Tag Alarm und Vollalarm. Es wurde viel mit Bordwaffen geschossen.

Dienstag den 20. März. Von 9 ½ Uhr vorm. bis zum Abend fortgesetzt Vollalarm. Am Nachm. feindl. Angriff auf Brambauer, Lippe, Kupferwerk, Zeche Viktoria mit Bombenteppi-chen. Auf Schulze-Gahmen eine Bombe geworfen, auch mit Bordwaffen wurde viel geschos-sen. Von der Gartenarbeit muss man 5 bis 6 Mal ablassen und zum Bunker laufen. Heute sind wir 5 mal zum Bunker gelaufen. Es ist eine Hast und eine Hetze und ein fortgesetztes Rennen. Und zwar von morgens bis abends. Augenblicklich ist kein Licht da. Es wird mehrere Tage dauern bis wieder Strom sein wird.

Mittwoch den 21. März. Von nachts 2 Uhr 45 bis 4 Uhr früh Vollalarm. Waren im Bunker. Dann wieder von 8 Uhr vorm. bis 6 ½ Uhr nachm. fortgesetzt Vollalarm. Man kann im Garten nicht mehr ruhig arbeiten, man wird immer fortgesetzt mit Bordwaffen beschossen. Heute ist die Strecke Münster, Dülmen, Haltern bis Bochum dem Erdboden gleichgemacht.
Donnerstag den 22. März. Von 4 - 5 Uhr Vollalarm. Es flogen viele Kampfverbände mit Ost-kurs ein. Wir waren im Bunker. Von 10 Uhr vorm. bis 6 Uhr nachm. ununterbrochen Voll-alarm. Wir waren mit kurzen Unterbrechungen im Bunker. Man kann nur hin und wieder ver-suchen seine Gartenarbeiten fortzusetzen, denn es fliegen fortgesetzt feindliche Verbände ein, man muss dann wieder zum Bunker rennen. Wie feindliche Flugblätter mitteilen, soll Deutschland dem Erdboden gleichgemacht werden, wenn nicht kapituliert wird. Von 9 - 11 Uhr Vollalarm. Wir waren im Bunker.

Freitag, den 23. März. Von 7 Uhr Vollalarm bis 9 Uhr vorm. Dann Vollalarm von 9 ½ Uhr bis 6 ½ Uhr nachm. ununterbrochen. Starke Verbände flogen ein. Nachm. wurde Hagen, Schwer-te, Iserlohn und Unna mit Bombenteppichen beworfen. Auch in Derne Dorf ist ein großer Brand ausgebrochen. Von 9 ½ Uhr bis 10 ½ Uhr wieder Vollalarm, Flucht zum Bunker.

Samstag, den 24. März. Von 7 Uhr früh bis abends 6 ½ Uhr mit kurzen Unterbrechungen Vollalarm. Wir waren meistens im Bunker. Mit Bordwaffen wurde das Lippewerk und der Flughafen angegriffen.

Sonntag, den 25. März. 6 Uhr früh Alarm. 8 Uhr war ich zur Kirche, Hedwig war im Bunker, Entwarnung erst um 7 Uhr abends. Rege Tätigkeit feindlicher Jagdflieger. Es wurde mit Bordwaffen geschossen. Von 8 - 9 und von 10 - 10 ½ Uhr Vollalarm. Rückflüge aus Mittel-deutschland. In Dortmund sind am 5. März 583 Menschen umgekommen.
Montag den 26. März. 7 Uhr früh zum Friedhof um die Gruft in Ordnung zu bringen. Es war schon Alarm. Bald erschienen feindliche Jäger und beschossen mit Bordwaffen den Stadtteil Lünen. Es wurden schwere Treffer beobachtet. Im Bahnhof Süd wurde ein Munitionszug ge-troffen, ebenfalls Engelke, Schaarmann, Gymnasium und sonstige Häuser. Wir haben uns hinter Grabdenkmälern versteckt. Um 5 Uhr nachm. Angriff feindlicher Jäger auf Lünen mit Bordwaffen.

Dienstag, den 27. März. Bis Mittag kein Alarm. Von 2 - 3 Uhr Vollalarm. Wir waren im Bunker. Von 4 ½ - 6 Uhr Vollalarm, waren wieder im Bunker. Kein Bombenabwurf, die feindl. Verbände flogen nach Mitteldeutschland.

Mittwoch, den 28. März. Von 9 ½ - 11 Uhr Voralarm. Feindl. Verbände flogen über Siegen kommend Mitteldeutschland an. Nachmittags rege Kampftätigkeit feindl. Jagdflieger. Hafen und Zeche Gneisenau wurden beschossen.

Donnerstag, den 29. März. Vorm. kein Alarm. Nachm. 3 Uhr Vollalarm. Kampfverband flog über Wanne-Eickel ein. Kein Bombenabwurf, wir waren im Keller und Bunker.

Karfreitag, den 30. März. Von 3 Uhr früh bis 4 Uhr Voralarm. In der Nacht konnte man heftigen Kanonendonner von der Front hören. Die Front ist vor Süd- und Nordkirchen. Heftige Explosionen konnte man tagsüber wahrnehmen. Die Muna und mehrere Brücken sind gesprengt. Der Bürgermeister von Lünen soll die Stadt als freie Stadt erklärt haben. Sollte sich dieses bewahrheiten, dann würde Lünen kein Schutthaufen werden. Lebhafte Tätigkeit der feindlichen Jäger und der Sturzkampfflugzeuge. Es wurde viel mit Bordwaffen geschossen. 9 Uhr 15 Vollalarm. Kampfverband mit östlicher Richtung. 10 Uhr abends Entwarnung.

Samstag den 31. März. Wir wurden um 2 Uhr früh durch heftige Explosionen aus Richtung Lünen geweckt. Die Fenster klirrten. Es handelt sich um eine Sprengung eines Munitionslager von Kappenberg. Im ganzen war der Tag ziemlich ruhig, nur etliche Stunden Voralarm. Kanonendonner ist den ganzen Tag aus Richtung Recklinghausen - Haltern zu hören. Die Stadt Werne an der Lippe hat die weiße Flagge gehisst. Auch wird heftiger Kanonendonner vernommen.

Sonntag, 1. Ostertag, den 1. April. In der verflossenen Nacht wurden in unserer Nähe die Ka-nalbrücken gesprengt. Es waren furchtbare Erschütterungen. Etliche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Die Brücken bei Schreiner Siemann, in der Bergstraße und in der Blücherstraße sind gesprengt.

Montag, 2. Ostertag, den 2. April. Der Feind steht in Nordlünen und Beckinghausen. Die Stadt Werne an der Lippe hat sich kampflos ergeben. Lünen soll bis zum letzten Mann verteidigt werden. Wir sind seit gestern Abend 7 Uhr im Bunker, mit kurzen Unterbrechungen um nach Hause zu laufen, das allernotwenigste zu besorgen. Es ist jetzt 10 Uhr vorm., das Artillerie- und Flakfeuer nimmt an Stärke zu. Es wird sich anscheinend hier eine große Schlacht entwickeln. Wer weiß, ob wir sie lebend überstehen werden. Wir gehen um 10 Uhr zu Bett, es herrscht Ruhe.

Dienstag, den 3. April. Wir stehen um 4 ½ Uhr früh auf, soweit ist noch alles ruhig. Verein-zeltes Maschinengewehrfeuer, es regnet stark. Gegen 4 Uhr nachm. bewerfen feindl. Flieger unsere Front mit Bomben. Es war eine fürchterliche Kanonade. Von 8 bis 10 Uhr abends im Bunker. Von 12 ½ Uhr bis 2 ½ Uhr nachts feindlicher Artilleriebeschuss unserer Gegend. Wir waren im Bunker.
Mittwoch, den 4. April. Wegen des feindlichen Artilleriebeschusses haben wir in der verflos-senen Nacht nicht schlafen können. Besonders wurde Brambauer die Nacht schwer beschos-sen. Mehrere Treffer hat Lünen-Süd heute Nachmittag erhalten. Mehrere Personen sind von Treffern verletzt worden. Wir waren den ganzen Tag von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends im Bunker. Von 7 ½ - 12 Uhr nachts waren wir wieder im Bunker.

Donnerstag, den 5. April. Den ganzen Tag über starke Tätigkeit der Flaks. Der Feind steht in Nordlünen und Wethmar und Beckinghausen wird beschossen. Der Kanal ist mit Maschinen-gewehrnestern besetzt. Die Nacht war ziemlich ruhig.

Freitags den 6. April. Tagsüber ziemlich ruhig. Vereinzelter Flakbeschuss. Auch die Nacht war außer etwas Flakbeschuss ruhig.

Samstag den 7. April. Heftiger Artilleriebeschuss gegenseitig, auch Bordwaffenbeschuss in unserer Umgegend. In der Gegend von Kurl und Lufthafen Bombenabwürfe und Bordwaffen-beschuss. Der Feind hat Brambauer, Nordlünen, Oberaden besetzt. Wir schlafen jetzt wieder 2 Tage zu Hause, waren sonst bei Tag und Nacht im Bunker. Die Luft in dem Bunker ist derart schlecht, dass fast alle Leute und die Kinder erkrankt sind. Bei heftigem Kanonendonner und Flakbeschuss müssen wir den Garten bestellen. Es wird noch eine Hungersnot geben. Es wird jetzt schon allerhand gestohlen an Handwagen, Fahrräder, Hühner, Kaninchen usw. Frau Ra-thert sind vor etlichen Nächten 6 Hühner abgeschlachtet und gestohlen worden.

Sonntag, den 8. April. Ganzen Tag rege Fliegertätigkeit, verschiedentlich Bordwaffenbeschuss. Die Nacht war ruhig. Wir haben gut geschlafen.

Montag, den 9. April. Es ist heute Vormittag kalt, nur 0 Grad. Zwischen 5 und 6 Uhr wurde in unserer Nähe mit Bordwaffen geschossen. Feindliche Artillerie schießt zu uns herüber. Hefti-ge Einschläge in unserer Nähe. Sämtliche Autobahnbrücken werden gesprengt. Es gibt sehr starke Erschütterungen. Die Nacht war ziemlich ruhig.

Dienstag den 10. April. Von frühmorgens bis zum Abend stärkeres Artillerie- und Maschi-nengewehrfeuer. Der Feind ist näher gerückt. Ein Angriff ist in kürzester Zeit zu erwarten. Der Flughafen wurde heftig mit Bordwaffen beschossen. Von 10 Uhr bis 1 Uhr nachts Artillerieduell.

Mittwoch, den 11. April. Feindliche Truppenteile stießen am Vormittag durch. Das Artillerie- und Maschinengewehrfeuer war stark. Der Feind ist bis zur Autobahn vorgedrungen. Heftiges Artillerie- und Maschinengewehrfeuer. Lünen ist seit heute von Amerikanern besetzt.

Donnerstag, den 12. April. Infanterie, Panzer, Maschinengewehrabteilungen der Amerikaner zogen in riesigen Kolonnen weiter nach Derne zu. Das Artilleriefeuer hat nachgelassen. Der Bunker ist von heute ab verwaist, auch der Keller braucht nicht mehr aufgesucht zu werden und ins Bett legt man sich wie im Frieden völlig entkleidet.

Freitag den 13. April. Den ganzen Tag war es ruhig, nur aus der Ferne Kanonendonner. Dortmund ist von den Amerikanern genommen. Die Amerikaner haben das Gemeindehaus, das vorübergehend besetzt war, wieder geräumt. Wir werden dort wieder unseren Gottesdienst und unseren sonstigen kirchlichen Amtshandlungen nachgehen können.

Samstag, den 14. April. Wieder verlief der Tag ruhig. Der alte Dachdecker Dallwitz hat uns am Hausdach die Löcher wieder eingedeckt. Nachmittags kamen 2 Amerikaner und besichtig-ten im ganzen Hause die Räumlichkeiten. Sie sind dann wieder abgezogen. Friedchen Tappe war mit ihrem Mann hier. Diese haben in Dortmund alles verloren und wohnen bei ihren Eltern.

Sonntag den 15. April. 8 Uhr vorm. Gottesdienst und Konfirmationsfeier. Der große Saal im Gemeindehaus war voll besetzt. Der Tag verlief sonst ruhig. In der Wirtschaft Essig wurde ein Lazarett eingerichtet.

Montag, den 16. April. Ich war heute morgen nach Lünen zum Bauamt, damit das Hausdach wieder in Ordnung gebracht wird. Die Stadt zahlt alle Reparaturkosten. Ist das Hausdach mal wieder fertig verschmiert und gedeckt, dann muss ein Maurer kommen um die Zimmerdecke in Ordnung zu bringen. Ein Schreiner muss fast sämtliche Türen und Fenster wieder gangbar machen. Hedwig ist heute zu Willi gegangen und hilft dort im Garten. Es ist heute warm, 20 Grad Wärme. Die Obstbäume stehen in guter Blüte, die Bienen fliegen fleißig und keine bomben und kein Brand wird den Wiederaufbau in Haus und Garten stören.

Dienstag, den 17. April. Soweit wieder alles ruhig. Ausgang von morgens 6 bis abends 7 Uhr.

Mittwoch den 18. April. Soweit wieder alles ruhig. Nachm. erschienen in unserer Wohnung 2 Amerikaner, durchsuchten alles. Aus dem Keller nahmen sie 2 Flaschen Wein mit. Eine wur-de sofort ausgetrunken. Auf Zeche Viktoria haben Russen geplündert, es entstand eine große Schlägerei. Es wurden Amerikaner zu Hilfe gerufen. Es blieben auch Tote dabei.
Donnerstag, den 19. April. Soweit alles ruhig. Die Obstblüte ist wunderbar. Die Bienen fliegen fleißig. Die Sonne scheint wunderbar. Alles verspricht eine gute Ernte. In den nächsten 8 Tagen werden wir bei Schulz-Gahmen Kartoffeln anpflanzen.

Freitag, den 20. April. Heute Vormittag bombardierten die Besatzungstruppen die Bretterbu-den an der Berghalde und schossen mehrere in Brand. Heute hat Günter Geburtstag, er wird 10 Jahre alt.

Samstag, den 21. April. Die demolierten Kanalbrücken werden bewacht. Jedermann muss, wenn er nach Lünen oder Gahmen will, einen Pass haben. Heute früh standen hunderte von Menschen in Lünen-Süd, um sich einen Pass zu besorgen.

Sonntag, den 22. April. Um 8 Uhr Gottesdienst im Gemeindehaus. Die Amerikaner sind ver-flossene Nacht weitergerückt. Nur etliche blieben zurück. Kurz nach 5 Uhr nachm. macht eine amerikanische Patrouille bekannt, dass eine Sprengung im Kuhkamp von Wesselmann vorge-nommen würde. Es handelt sich um 14 Bomben (Blindgänger) und eine Mine. Die Erschütte-rung und der Luftdruck waren so stark, dass auf der Gartenseite keine Fensterscheibe ganz blieb, auch das Hausdach hat schwer gelitten. Trotzdem wir Fenster und Türen geöffnet hat-ten, sind über 70 Fensterscheiben an Haus und Stall zertrümmert worden. Das Dach ist schwer beschädigt. Frau Preuss wurde durch Glassplitter am Kopf verwundet und musste sich in ärztliche Behandlung begeben. Dabei sind Fensterglas, Dachziegeln, Zement, Kalk und Ziegelsteine nirgends zu kaufen.

Montag, den 23. April. In der Nacht wurde der Gärtner Schüren in Gahmen von Russen ersto-chen. Die Russen wollten dem Mann ein Fahrrad mit Gewalt fortnehmen, er wollte sich zur Wehr setzen und fand dabei den Tod. In derselben Nacht wurde der Landwirt Heinrich Bert-hold in Gahmen von Russen erschossen.

Dienstag, den 24. April. In der Nacht haben mehrere Russen bei Große Leege in Kump 14 Hühner abgeschlachtet, 6 Fahrräder und Kartoffeln mitgenommen.

Mittwoch den 25. April. Soweit alles ruhig. Wir haben den ganzen Tag bei Schulz-Gahmen Kartoffeln angepflanzt und werden morgen damit fertig.

Donnerstag, den 26. April. Nichts Neues.

Freitag, den 27. April. Es regnet. Von Herrn Boguslawski erfahre ich, dass zirka 160 Leichen im Rombergs Park aufgefunden sind. Mordtaten unserer Gestapo. Seit dem 15. Mai ist die Kanalbrücke bei Mergelmeier durch eine Holzbrücke ersetzt worden und für Fußgänger, Pferdefuhrwerke und leichte Autos freigegeben. Als am 18. ds. Monats ein schwerer amerika-nischer Panzer die Brücke passieren will, bricht diese zusammen. 2 Tote.

Damit beendige ich die Beschreibung der Kriegsereignisse, wie ich sie erlebt habe. Das deut-sche Reich ist völlig zusammengebrochen. Wir wollen wünschen und hoffen und jeder möge dazu durch harte Arbeit mithelfen, dass mit Gottes Hilfe die Schäden dieser furchtbaren Ka-tastrophe so schnell wie möglich beseitigt werden.
Nie wieder Krieg!

Wilhelm Mette
Lünen a.d. Lippe
Bahnstraße 73