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GESCHICHTE DER PFADFINDER IN PREUßEN
 

100 Jahre Preußen: Rückblick auf das Pfadfinder-Fest am 25. September 2005

Am Sonntag, den 25. September 2005 waren alle eingeladen, die mit der Pfadfinderschaft Preußen verbunden waren oder sind, zu einem großen Jubiläums- und Wiedersehenfest. Das Fest begann mit einem Gottesdienst unter der Leitung von Pfarrerin Andrea Ohm um 9.30 Uhr in der Kirche in Lünen-Süd. Die nachfolgenden Fotos sind während dieses Festgottesdienstes entstanden, in dem Prof. Günter Brakelmann aus Bochum die Predigt hielt. Auch die Pfadfinder der kath. Schwestergemeinde Heilige Familie waren im Gottesdienst zu Gast. Nachdem Gemeindereferent Stephan Wilhelm einen kurzen Überblick über die jüngere Geschichte der Pfadfinderschaft gegeben hatte, stellten die Jungen und Mädchen die aktuellen Pfadfinder-Regeln vor. Schließlich sang man gemeinsam ein modernes Pfadfinderlied. Unter Beteiligung mehrerer bewährter Gitarristen aus der ehemaligen Pfadfinderschaft erklangen auch alte Melodien im Gottesdienst. Und der Posaunenchor trug ebenfalls seinen musikalischen Beitrag zur festlichen Gestaltung bei. Im Anschluss an den Gottesdienst waren alle eingeladen zum großen Wiedersehensfest, bei dem es manch alte Erinnerung auszutauschen gab.




 



 



Christliche Pfadfinderschaft in der Kirchengemeinde Preußen: Zur Geschichte


Nachdem 1947 Pastor Arning nach Bielefeld wechselte, wurde Pastor Dahlhaus zum Pfarrer gewählt. In seiner Dienstzeit wurde 1948 die beschädigte Kirche wieder in Stand gesetzt, so dass in ihr das 40-jährige Kirchweihfest gefeiert werden konnte. In den fünfziger Jahren wurde das Kircheninnere neu gestaltet. Viele von Ihnen werden sich auch noch an den Altarteppich erinnern, den Frauenhilfsfrauen selbst gestickt hatten und der bis 1970 die Kirche schmückte.
Einen besonderen Aufschwung bekam durch Pfarrer Dahlhaus die Jugendarbeit. Die christliche Pfadfinderschaft in der Preußengemeinde wurde gegründet. Mehr als zwei Jahrzehnte prägte die Pfadfinderschaft die Jugend unserer Gemeinde. Dies ist Grund für einen ausführlichen Rückblick, den Horst Loddoch im Folgenden verfasst hat:




 

In der Gemeinde gab es nach dem Kriege 1945 verschiedene Jugendgruppen wie Jungscharen, Jungmäd-chenkreis und CVJM. Mit dem Pfarrstellenwechsel in 1947, Fortgang von Pastor Wilhelm Arning und Neubesetzung durch Pastor Karl Dahlhaus, begann eine neue Ära der Jugendarbeit.
Pastor K. Dahlhaus war bereits vor der Nazi-Zeit aktiv bei der CP (= Christliche Pfadfinderschaft) tätig und hatte persönliche die Grundsätze der Pfadfinderbewegung kennen gelernt. Als war er bestrebt, diese Arbeit auch hier in Preußen zu beginnen.
Mit dem Konfirmanden-Jahrgang 1948 ging es los. Der bestehende CVJM wurde mit eingegliedert, wobei nur einige ältere sich mit der CP verbündeten. Am 1. Juni 1948 erfolgten die ersten Aufnahmen mit einem Versprechen zum Pfadfindergesetz: „Im Vertrauen auf Gottes Hilfe, dem Nächsten zu helfen und das Pfad-findergesetz einzuhalten:“ – Allzeit bereit - !“
Nach einer kurzen Anlaufzeit hatte die Art der Jugendarbeit Erfolg. Es wurden gleiche Hemden in grau und ein blaues Halstuch (Kluft) beschafft, teilweise von Müttern hergestellt. Ein erstes Stammeslager fand im Sommer 1948 in Fabbenstett bei Alswede mit Pastor Karl Dahlhaus statt. Ein Name für unsere CP musste her. Wir einigten uns auf „Stamm Sturmvogel“.
Da ein wichtiger Grundsatz der Pfadfinder ist, jungen Menschen Verantwortung zu übertragen, konnte sich Pastor Dahlhaus immer mehr in den Hintergrund zurückziehen. Die Leitung unseres Stammes erfolgte alsbald durch Will Wilczek. Weitere Mitglieder wie Walter Eschert, Horst Lod-doch, Reinhold Kluge, Horst Tautenhahn u.a. wurden Sippenführer. Es wruden für die Jüngsten Rotten, dann Sippen gegründet, jeweils 10 bis 12 Jungen. Nach Lernerfolgen und Zugehörigkeit wurden dann Jungpfadfinder, Knappen, Späher und dann Kreuzpfadfinder bei überörtlichen Treffen ernannt.
Parallel zur Jungen-Pfadfinderschaft strahlte auch die Arbeit der Mädchen-Pfadfinderei aus der Ev. Kirchengemeinde Derne (Frau Lükke) zu uns herüber, und es bildete sich so ab ca. 1954 eine EMP (Ev. Mädchen-Pfad-finderschaft) in unserer Gemeinde, unter der Leitung von Liesel Winter (heute Frau Feig). Den Höhepunkt hatte diese Gemeindejugendarbeit in den 60er Jahren. Bei den Jungen waren es ca. 120 und bei den Mädchen ca. 30 Jugendliche, die am regelmäßigen Leben teilnahmen.
In der Gemeinde galt es, viele soziale Aufgaben zu erkennen und zu begleiten, z.B. ältere Bedürftige aufzusuchen, im Haushalt zu helfen, einzukaufen etc. sowie in der Gemeinde dem Küster zur Hand zu gehen, etwa das Läuten der Kirchenglocken (von Hand!) zu übernehmen, Helfen bei Gottesdiensten u.v.m. Die Kellerräume des alten Paul-Gerhardt-Hauses wurden durch Eigenhilfe zu einem Pfadfinderheim gestaltet. Der Stamm bekam ein großes Stammbanner, und die Sippen jeweils Sippenwimpel, alles möglichst durch Selbsthilfe.
Viele Fahrten in kleinen Gruppen in die nähere Umgebung (Sauerland, Münsterland) waren selbstverständlich, mit Fahrrad, Zelt, Hordentopf und Gitarre. Aber auch Großlager des Stammes der Landesmark Westfalen, des Bundes oder gar auch zum Jam-boree (Weltpfadfindertreffen) waren Ziele.




 
 

Mit Auslauf der 60er bis Anfang der 70er Jahre löste sich diese Arbeit leider auf. Gründe dazu sind schwer zu beschreiben. Private Interessen traten in den Vordergrund, insbesondere bei der Führersippe, z.B. Fortbildung im Beruf, Nachholbedarf durch Kriegsereignisse, aber auch Bildung eigener Familien u.a.
Eine Alt-CP-Gruppe hat allerdings immer weiter bestanden. Beim so genannten Freitags-Treff beim Skat, zur Diskussion oder zur Fahrtenplanung kommen ca. 20 Ehemalige regelmäßig zusammen. Im Jahre 1971 kaufte dann ein Kreis von 12 Leuten eine Kapelle in Kirchrarbach im Sauerland. Wir bauten diese kleine Kirche zu einem Familienheim um. Mit den Familien hat dieser Kreis, etwas verkleinert, bis heute Bestand und unterhält, pflegt und nutzt dieses Heim im Sauerland. Diverse Gemeindegruppen machen auch von der Nutzung entsprechend Gebrauch.

Horst Loddoch