Im Advent 1984 wurde der Ersatzbau für das durch Bergschäden stark in Mitleidenschaft gezogene Paul-Gerhardt-Haus von Superintendent Hanns-Martin Linnemann eröffnet. Das alte Paul - Gerhardt - Haus war 1929/1930 mit Unterstützung des Bergbaus gebaut worden. Und auch zum Entstehen des neuen Gemeindehauses hatte der Bergbau seinen Teil dazu getan. Eigentlich sollte nur der Fußboden begradigt werden. Hätte man damit am hinteren Ende an der Weißenburger Straße begonnen, so wäre man vorne an der Kirchenseite mit dem Fußboden auf Höhe der Fensterbank angekommen. Ein weißer Kreidestrich an der Außenfassade überzeigte auch die letzten Kritiker. Das alte Haus musste durch einen Neubau (geplant vom Architektur-büro Weiß, Bauleiter Herr Wessel) ersetzt werden. In nur 11 Monaten Bauzeit wurde das Haus nach dem Abriss des alten Hauses errichtet. Maßgeblich geplant und begleitet wurde der Bau durch die Presbyter Günter Mette, Ernst Hellmich, Horst Loddoch, den Küster Richard Jantz und Pfarrer Jürgen Lembke.
Die Gesamtkosten des Hauses von 1,3 Millionen DM (670.000 Euro) wurden zu zwei Dritteln vom Bergbau erstattet. Die Vereinigten Kirchenkreise Dortmund gaben einen Zuschuss von 300.000 DM. Den Rest finanzierte die Gemeinde aus Rücklagen. Für die Inneneinrichtung erbrachte eine große Spendenaktion mehr als 40.000 DM. Mit der Fertigstellung des neuen Paul-Gerhardt-Hauses gab es einen großen Aufschwung in der Gemeindearbeit in Lünen-Süd. Endlich gab es vorzeigbare Jugendräume im Obergeschoss, die für den kirchlichen Unterricht, eine Kindergruppe und verschiedene Angebote für Jugendliche genutzt wurden.
In der Kinderbibelwoche in den Osterferien 1985 („Mensch Jesus“) erprobten mehr als 100 Kinder die Möglichkeiten des Hauses. Es wurde eine erste ZWAR-Gruppe („Zwischen Arbeit und Ruhestand“) in der Gemeinde gegründet, die damals leider nicht von den Gewerkschaften unterstützt wurde. Vier Jahre später wurde dann eine eigene ZWAR-Gruppe in Lünen gründeten.
Sozialseminare waren fester Bestandteil der an die Öffentlichkeit gerichteten Angebote. Insbesondere ein Seminar zur bevorstehenden Privatisierung in Oberbecker traf die Sorgen und Nöte der Menschen und gab Möglichkeiten eines Engagements der Bewohner für ihre eigenen Interessen. Die „Interessengemeinschaft Oberbecker“ wurde gegründet. Über den eigenen Kirchturm hinaus blickte die neu gegründete „Arbeitsgruppe Eine Welt“ mit ihrem Einsatz für den fairen Handel und für Gerechtigkeit für die dritte Welt.
Das Paul-Gerhardt-Haus verstand sich immer als ein offenes Raum - Angebot für die Menschen in Lünen-Süd. Neben kirchlichen Gruppen kamen viele Interessengruppen unterschiedlicher Art zusammen, es gab SPD-Jahresfeste, Feiern der AWO, die Blutspende des DRK und viele Familienfeiern anlässlich von Taufe, Trauung oder Konfirmation und Jubiläen. Das aktuelle offene Angebot ist das Marktcafé, das Marktbesucher zum Verweilen und zur Kommunikation einlädt. Während die Zahl der Marktbesucher (wegen des sehr eingeschränkten Angebotes) leider sehr zurück gegangen ist, boomt das Marktcafe jeden Mittwochvormittag im Haus.
„Komm, bau ein Haus, das uns beschützt“ – Dieses Lied wurde vor 25 Jahren zur Eröffnung im Gottesdienst gesungen. Damit sollte die Hoffnung ausgedrückt werden, dass das neue Paul-Gerhardt – Haus ein Haus für die Menschen werden möge. Diese Hoffnung ist Wirklichkeit geworden – Gott sei Dank, der uns viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschenkt hat, um dieses Ziel zu erreichen.
Jürgen Lembke
| Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen. |






