Lieber Uwe,
in Kürze wirst du deinen wirklich wohl verdienten Ruhestand antreten.
Man kann wohl sagen, dass du mit Leib und Seele mit deiner Arbeit verbunden warst. Was bewegt dich, wenn du die Verantwortung jetzt in andere Hände legst?
Die Zeit jetzt ist davon geprägt die Übergabe meiner Verantwortung zu gestalten. Ich freue mich, dass es frühzeitig gelungen ist, meinen Nachfolger zu finden und ich ihn in sein neues Arbeitsfeld einarbeiten kann. Das füllt meinen Arbeitstag aus. In einem Psalm heißt es: Alles Ding hat seine Zeit. So kommt ganz sicher noch die Zeit der Trauer, die mit dem Abschied nehmen von so vielen Menschen,die mir wichtig geworden sind, verbunden ist. Es gibt aber auch schon das Gefühl der Neugierde auf den letzten, neuen Teil meines kommenden Lebens.
Was hat dich an deiner Arbeit besonders gereizt?
Der Dienst an und mit Menschen und die Möglichkeit etwas gestalten zu können.
Du hast das Haus an der Bebelstraße 200 und das Entstehen der DDL von Anfang an begleitet. Es gab einen permanenten Entwicklungsprozess. Welches waren für dich die wichtigsten Entwicklungsschritte?
Soziale Arbeit ist immer in Bewegung. Das liegtan den Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Ihre Lebensverhältnisse, ihre Bedürfnisse verändern sich. Wer das wahrnimmt,verändert auch seine Arbeit. Das liegt auch an den veränderten politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen die zu Veränderungen führen, wie z.B. durch die Pflegeversicherung. An der DDL kann man diese Entwicklung sehen. Angefangen haben wir mit dem Altenkrankenheim, dann kam die Kurzzeitpflege dazu und die Tagespflege Klöterheide. Später, ab 2005 die Diakoniestation und das Begleitete Wohnen. Diese Entwicklung mitgestalten zu dürfen warfür mich sehr wichtig.
Gibt es Begegnungen und Ereignisse, die dir besonders intensiv in Erinnerung geblieben sind?
Da gibt es eine Reihe von Begegnungen mit alten Menschen, insbesondere Bewohnerinnen des Heimes, die mir eindrücklich in Erinnerung bleiben, weil sie mich sehr bewegt haben und ich selber so viel von ihnen für mein eigenes Leben gelernt habe. DieseBegegnungen helfen mir heute sehr auch gut von meinem Dienst Abschied nehmen zu können. Ein gravierendes Ereignis der letzten Jahre war die Gründung der DDL.
Die Rahmenbedingungen im Bereich der Pflege haben sich in den letzten Jahren enorm verändert. Ich denke, es war nicht immer leicht, den Menschen unter diesen Vorgaben gerecht zu werden?
Nein, dieser angesprochene Prozess ist noch längst nicht abgeschlossen. Der Dienst der Mitarbeitenden ist in den letzten Jahren zunehmend schwieriger und belastender geworden. Mit der gleichen Zahl von angestellten Mitarbeitern müssen heute viel mehr Aufgaben durchgeführt und erledigtwerden. Gleichzeitig ist z.B. im Heimbereich der notwendige pflegerische Aufwand deutlich gestiegen. Für die zu pflegenden Menschen bleibt weniger Zeit zur Verfügung.
Die diakonischen Einrichtungen an der Bebelstraße genießen nach wie vor einen guten Ruf, was denkst du, sind die Gründe dafür?
Es freut mich, wenn die Menschen aus unseren Stadtteilen einen solchen Eindruck von uns haben. Viele von ihnen haben ja auch konkrete Erfahrungen mit uns gemacht. Ein „guter Ruf“ ist kein Ruhekissen.Er muss täglich neu bestätigt werden. Im „Zentrum“ an der Bebelstraße wohnen ja nicht nur viele Menschen oder verbringen einen Teil des Tages dort, es kommen dort täglich auch viele Menschen hinein, als Besucher, als Angehörige, als ehrenamtliche Mitarbeiter oder zur Beratung. Sie alle können sehen, wie engagiert der Dienst an und mit den Menschen von den Mitarbeitenden durchgeführt wird. Die Mitarbeitenden der Diakoniestation oder des Begleitenden Wohnens (Seniorenladen) bieten ihre Hilfe in den Wohnungen der hilfebedürftigen Menschen an. Ob in den Einrichtungen der DDL oder in den Wohnungen der Menschen: ein kompetenter, professioneller Dienst der den Menschen in den Mittelpunkt allen Handelns stellt istdie Voraussetzung eines diakonischen Unternehmens um sich einen „guten Ruf“ zu erwerben und zu halten.
Gibt es Entwicklungen in der Pflege, und in der Altenpflege besonders, die dir Sorgen machen?
Ja, die sich immer mehr verdichtende und damit auch zunehmend belastendere Arbeit,die weniger Zeit für die Menschen übrig lässt.
Wird sich das Leben und die Arbeit in der DDL in Zukunft verändern und was würdest du deinem Nachfolger raten?
Das Leben und die Arbeit wird sich weiter verändern.Dazu habe ich schon etwas gesagt. „Ratschläge“ zu geben ist nicht immergut. Jeder, der sich einer neuen Aufgabe stellt, muss seinen eigenen, ihm gemäßen Weg finden und gehen.
Angefangen hast du als Diakon im Gemeindedienst, heute gehst du als Geschäftsführer einer angesehenen und erfolgreichen Altenhilfeeinrichtung mit über hundert Mitarbeitenden. Ein beeindruckender beruflicher Werdegang. Hast du dich selbst verändert in dieser Zeit?
Zunächst bin ich all den Menschen dankbar, die mir ihr zugetraut haben, dass ich die Aufgaben, die mir jeweils gesetzt waren, umsetzen konnte und die mir auf diesem Weg ihr Vertrauen geschenkt haben. Deshalb bin ich nicht beeindruckt, sondern dankbar für dieMöglichkeiten,die ich erhalten habe. Selbstverständlich habe ich mich in dieser Zeit auch verändert, so wie es jederMensch tut, der mit offenen Augen durch das Leben geht. „Lebenslanges Lernen“ heißt doch auch „lebenslange Veränderung“. Ich glaube, meine Wurzeln, dass, was mich trägt haben sich nicht verändert. Mein Konfirmationsspruch ist mir da ein wichtiger Lebensbegleiter geworden. „Einen anderen Grund kann niemand legen, außerdem der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“.
Was ist dir besonders gut gelungen?
Das können andere besser beurteilen als ich.
Worauf freust du dich?
Auf Zeit,die ich selber gestalten kann, wenn sie mir weiterhin geschenkt wird, auf meine Familie, auf gute Bücher, Musik hören, Fahrrad fahren, die ehrenamtlichen Tätigkeiten,...
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Pfr. Volker Jeck

