Lola rennt (1998): Was bestimmt unser Leben?
„Eine junge Frau mit feuerroten Haaren, Lola, will ihren Freund Manni aus einer verzweifelten und absurden Lage retten: Manni hat einen Job als Geldkurier für ein illegales Autogeschäft und hat dabei 100.000 DM in der U-Bahn in einer Plastiktüte liegen lassen. Ein Penner hat die Plastiktüte gefunden und ist verschwunden. Manni müsste seinem Boss Ronnie die 100.000 DM in genau 20 Minuten zurückgeben. In seiner Panik ruft er Lola an, die nicht pünktlich zu ihrer Verabredung kommen konnte. Mannibeschuldigt sie: Wenn sie nicht zu spät gekommen wäre, dann wäre das alles nicht passiert. Das ist der Beginn der vielen wenn… dann... - Zusammenhänge im Film. Alles, was passiert, scheint ein Gemisch aus Zufall, Schicksal und eigenem Willen zu sein.
Lola versucht, Manni zu beruhigen. Sie verspricht, in 20 Minuten bei ihm zu sein und ihm zu helfen. "Irgendetwas fällt mir immer ein", sagt sie von sich selbst. Wenn Lola jedoch in dieser äußerst knappen Zeit nicht am Ziel ist, wird Manni - so droht er – den gegenüberliegenden Supermarkt Bolle überfallen, den er von seiner Telefonzelle aus sieht.“
Bestimmen wir allein über unser Leben? Können wir unser Glück zwingen? Oder hat alles, was ich tue, Konsequenzen – für mich und auch für andere Menschen? Hängen wir also alle zusammen wie in einem großen Netz – und bewegt sich der eine, spüren das auch die anderen? Zusammen mit Lola haben Konfirmandinnen und Konfirmanden der Kirchengemeinden Horstmar und Preußen sich mit diesen Fragen beschäftigt. Zu Beginn des Projektes neigten fast alle Teilnehmerinnen dazu, das eigene Leben als völlig frei uns selbstbestimmt anzusehen. Dann schauten wir uns den Film an:
„Der Film entwickelt drei verschiedene Varianten der Geschichte, jeweils mit unterschiedlichem Ausgang. Dreimal beginnt die Geschichte der 20 Minuten von vorn, dreimal rennt Lola los, um Manni zu erreichen.
Lola rennt wie eine Furie los und hetzt auf der Suche nach den 100.000 DM durch den Film, dabei rennt sie an diversen Großstadtmenschen vorbei, von denen einzelne herausgegriffen werden: Der Regisseur zeigt in schnellen Fotoserien ihre möglichen Lebensläufe. Doris, die Hausfrau, Mike, der Fahrraddieb, Frau Jäger, die Sekretärin.“
Nach dem Film gab es einen allgemeinen Meinungsdrift dahingehend, dass die Abhängigkeit aller Menschen von einander mindestens gleichwertig neben der eigenen Freiheit stehe. Dazu entwarfen die KonfirmandInnen Plakate, die uns diese Ambivalenz des Lebens vor Augen führen sollen.
Hans Paetsch, Märchenerzähler (am Anfang des Films):„Der Mensch ... die wohl geheimnisvollste Spezies unseres Planeten. Ein Mysterium offener Fragen ... Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Woher wissen wir, was wir zu wissen glauben? Wieso glauben wir überhaupt etwas?
Unzählige Fragen, die nach einer Antwort suchen, einer Antwort, die wieder eine neue Frage aufwerfen wird, und die nächste Antwort wieder die nächste Frage und so weiter und so weiter ...
Doch ist es am Ende nicht immer wieder die gleiche Frage ... und immer wieder die gleiche Antwort?“Alle Zitate aus: (aus: Projekt Filmrucksack, SUPSI - SLM 2004, S. 3)
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